SPOKE MAG #30

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SPOKE und die Frühlingsgefühle: hier sind die Themen der neuen Ausgabe

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RUHR POTT POLO

Sascha´s Hund, Wanda von Dunajew, die nicht nur ein eigenes Facebookprofil hat, sondern auch bei vielen Events dabei ist! Eine Art Ghetto Maskottchen.Standard Interviews beginnen mit Standard Fragen wie "Wann habt ihr euch gegründet?" oder "Wie viele Leute seid ihr?" Bei den Jungs und Mädels vom Dortmunder Bike Polo kann man das getrost vergessen. Man merkt nach kurzer Zeit, dass dieser Haufen so einiges anders macht, als man es von anderen Teams gewohnt ist.

‚Gesucht und gefunden‘ könnte man die erste Begegnung der meisten Dortmunder Polospieler nennen. Es sind alte Freunde, die seit Jahren oder Jahrzehnten Fahrrad fahren und ihre Leidenschaft miteinander teilen. Bike Polo kam irgendwie übergangslos dazu und ist seitdem ein fester Bestandteil des täglichen Lebens rund ums Velo. Allerdings, und darauf legen die Dortmunder großen Wert, nicht der Hauptbestandteil. Mit Verwunderung beobachten sie das Treiben auf offiziellen Polo Veranstaltungen, auf denen sich gegnerische Teams gegenseitig die rasierten Waden massieren, Traubenzucker und Bananen essen und am besten noch einen passenden Schlachtruf zum designten 4-Farb Teamshirt rufen, bevor sie sich auf den extra importierten Bikepolo-Ball aus den USA stürzen. Dieses verkniffen professionelle Sportlergehabe sucht man bei den Dortmundern, die sich bei Turnieren auch gerne mal „Grober Knüppel“ oder „Team Rösner-Degowski“ nennen, vergebens. Eigentlich rauchen sie ständig, trinken rauhe Mengen Schnaps oder Dortmunder Kronen Pils und nehmen sich und den Sport nicht ganz so ernst, wie sie selbst sagen: „Wir sind ein bunt zusammengewürfelter Haufen von fahrradverrückten Wahnsinnigen, die ihr Hobby und ihre Leidenschaft zusammen erleben und ausleben wollen.

"Wir scheissen auf die ganzen Zwänge eines Regelwerks für Radfahrer, auf Sturzhelme und political Correctness. Wir spielen einfach Bike Polo und haben unseren Spass dabei, organisieren Goldsprints, Rennen und Trackstand Contests, wir saufen und raufen und sind fernab von dem, was wir so hassen: Diese verschissenen Fahrrad-Nazis (...)!" // David Radon, Team Dortmund."


Die Jungs beim Zocken mit den selbstgebauten Toren im Gloryhole

„Wir scheißen auf die ganzen Zwänge eines Regelwerks für Radfahrer, auf Sturzhelme und political Correctness. Wir spielen einfach Bike Polo und haben unseren Spaß dabei, organisieren Goldsprints, Rennen und Trackstand Contests, wir saufen und raufen und sind fernab von dem, was wir so hassen: Diese verschissenen Fahrrad-Nazis, die aus allem ein hippes und straff organisiertes Event mit Profitmaximierung und sozialer Anerkennung machen müssen!“ sagt David Radon vom Team Dortmund. Wenn man die „Trainingshalle“ der Jungs das erste Mal sieht, weiß man direkt, dass diese Aussagen nicht nur hohle Phrasen sind. Das riesige, leerstehende Monster aus Glas, Beton und Backsteinen wirkt imposant und bedrohlich zugleich. Herunterfallende Trümmer und Scheiben erschweren gerade bei starkem Wind das Polospielen ohne Verletzungsgefahr. Eine alte Halle der deutschen Bahn in der Dortmunder Nordstadt, einem sozialen Brennpunkt des Ruhrpotts, ist das zu Hause der Verrückten. Hier wird gegrillt, getrunken, Graffitis gemalt, Polo gezockt oder einfach nur abgehangen. Der urbane Charme und die endzeitmässige Atmosphäre lassen hier ein Gefühl aufkommen, das man in Sporthallen oder auf Hockeyplätzen so nicht findet. Die Spieler sind Kellner, Künstler, Fotografen, Tellerwäscher, Studenten und Alkoholiker, wobei das eine das andere nicht ausschließt. Im Alter von 15-45 treffen sich hier regelmäßig Fixie- und Singlespeed- Liebhaber zum Zocken, Schrauben und um sich neue, interessante Projekte auszudenken.

Sascha feiert auf seinem Autodach

Im August 2011 fand in dieser Halle auch das „Pott Polo Turnier“ statt, bei dem befreundete Teams aus Duisburg, Düsseldorf, Bochum und Essen teilnahmen und sich von der Atmosphäre der Halle anstecken ließen. Der Dortmunder Sascha Bisley, der nicht nur mitspielte, sondern auch gleich noch ein Video der Veranstaltung drehte, empfand den Tag als etwas ganz Besonderes: „Es war unglaublich. Die Leute kamen mit ihren Bikes über der Schulter in die Halle marschiert und fühlten sich direkt heimisch. Man stellte sich vor, begaffte die Bikes der Anderen und alle hatten ein zufriedenes Grinsen im Gesicht. Es gab Grillfleisch, vegane Schnittchen, Kuchen und natürlich jede Menge Bier. Selbst die Polizei, die uns einen kurzen Besuch abstattete, sah schnell ein, dass wir keinen Schaden verursachen und machte sich bald wieder auf den Weg. Allerdings erst, nachdem die Beamten mit ihren Handys Fotos vom Polospiel schossen, so begeistert waren die. Der ganze Tag war perfekt und spätestens beim Gruppenfoto kam bei einigen Gänsehaut auf!“

"Die Spieler sind Kellner, Künstler, Fotografen, Tellerwäscher, Studenten und Alkoholiker, wobei das eine das andere nicht ausschlieflt. Im Alter von 15-45 treffen sich hier regelmässig Fixie- und Singlespeed-Liebhaber zum Zocken, Schrauben und um sich neue, interessante Projekte auszudenken."




Die Videos der Dortmunder kann man bei Youtube sehen, wo außer dem „Pott Polo Turnier“ auch andere Velofilmchen von Sascha zu finden sind. Vor einigen Wochen wurde das Video „Skullride Dortmund“ gedreht, dass die Jungs in düsterer Kleidung und mit geschminkten Totenkopfgesichtern auf ihren Bikes zu einem Polospiel begleitet und das auch auf den Herner Velotagen in den Flottmanhallen beim Ultrakurzfilmfestival den dritten Platz belegte. In Punkto Kreativität sind die Dortmunder ganz weit vorne. Neben den erwähnten Filmen organisieren sie Critical Mass Rides, Nightrides und Goldsprints. Im Oktober beschloß der Dortmunder Polospieler Marc ein Rennen zu organisieren. Über Facebook wurden Teilnehmer aquiriert und schon stand das Dortmunder „Berg- und Hafensprint“ Rennen, zu dem gerade das aktuelle Video entsteht. Die Pokalvergabe an den Gewinner Hendrik aus Duisburg fand im ‚Subrosa‘, einer Dortmunder Szenebar, statt und war wie alle Veranstaltungen der Dortmunder, gut besucht und alkoholgeschwängert.

Perfekt für ein Staffel-Race: das Industriegebiet mit Blick auf den Dortmunder Fernsehturm

Zu Halloween stand ein Kürbisrennen im ‚Phönixgelände West‘ in Dortmund auf dem Plan. Im Stil eines Staffellaufes mußte ein verzierter Kürbis in Teamarbeit über das weitläufige Industriegelände gefahren werden. Zuvor traf man sich am Dortmunder Hauptbahnhof und fuhr mit etwa 30 Mann und mehreren Zwischenstops an Büdchen zwecks Auftanken in das Industriegebiet, das die perfekte Kulisse für ein illegales Autorennen á la Manta-Manta gestellt hätte und so übersichtlich war, dass das komplette Rennen gesehen und mit lautem Gegröle kommentiert werden konnte. Im kommenden Jahr planen die Dortmunder ein Rennen im Stil des japanischen „Keirin“. Die Fahrer bzw. Kämpfer melden sich mit einem kleinen Video an, in dem sie Gegner beschimpfen und sich selbst anpreisen. Einige verrückte Details sind noch geheim aber man darf gespannt sein, was den Jungs noch so alles einfällt!

Mehr Infos:

facebook & Co: „Bike Polo Dortmund“

Videoproduktion von Sascha Bisley: www.marked4life.de

Videos

Pott Polo: www.youtube.com/watch?v=iMkRfJZ6l8A

Skullride Dortmund: www.youtube.com/watch?v=YeJbQeSGBCQ

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