Spoke 33

Spoke 33

Spoke à Bloc: #33 jetzt im Handel

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VELDRIJDEN IN DEN NIEDERLANDEN

Seit dem ersten Oktober wird in der grenznahen niederländischen Region rund um Roermond und Venlo wieder an jedem Wochenende die 17 Rennen starke Limburgische Wintercross-Wettkampfserie ausgetragen. In den Vorjahren als "Jos Feron Cup" bekannt geworden, trägt die Rennserie für Cyclocrosser und Mountainbiker in diesem Jahr nach Sponsorenwechsel den Namen "Toma Cycles Cup" und immer mehr deutsche Fahrer finden den Weg in die unscheinbare und mit kleinen Wäldern gespickte Provinz entlang der Maas.
 

Und diese Wälder haben es in sich! Geschickte Trail-Bauer, nicht selten Ex-Profis, haben sich hier über Jahre hinweg ausgetobt, so scheint es. Denn auf den zahlreichen Pisten der Region wird nahezu jeder Meter Erderhebung, jede Sandfläche und jede Möglichkeit, eine Anliegerkurve zu schaufeln oder eine Abfahrt noch schwieriger zu gestalten, als sie es ohnehin schon vorgibt, wahrgenommen. Wer auf den Rennstrecken in Limburg schnell und vor allem teschnisch sauber fahren will, muss es tatsächlich vor Ort üben, denn Tracks mit einer solchen Dichte an Kurven, Powerclimbs und Sandabfahrten findet man hierzulande kaum. Die meisten Strecken in der Region sind zudem noch offiziell ausgeschildert und laufrichtungsgebunden, so dass man als Sportler keine Angst haben muss, unfreiwillig mit Wanderern oder Reitern zusammenzustoßen. Wenn man nämlich quer in einer Anliegerkurve liegt, gestaltet sich der Überblick über den Rest der Strecke als recht schwierig.

Zudem werden die Pisten von den lokalen Clubs in Topzustand gehalten. Am 17km langen Rundkurs „de Schaak“ z.B. wird wöchentlich gearbeitet. Nach Stürmen wird hier sofort „entrümpelt“, nach Regen werden aufgerissene Teile neu präpariert, Zustandsmeldungen via Facebook veröffentlicht und sogar die jährliche Warnung vor den brütenden Bussarden mit Schildern an der Piste bekannt gemacht. Ich hatte den auch schon vor der Nase. Der Vogel war schneller.

 

Mit den Erfahrungen der letzten Saison habe ich dieses Jahr bereits im Juli mit den ersten Trainingseinheiten im Gelände angefangen. Dazu wurde mindestens einmal im Monat eine Einheit auf den niederländischen Pisten absolviert. Meine Mitfahrer vom Rheinbacher Peloton Stabilus Team (www.peloton-stabilus-team.de) begleiteten mich dabei und hatten sichtlich ihren Spaß am „Ballern“. Besonders hervorragend geht das auf den Strecken in Meterik, Meijel und Neerkant, die allesamt ausgeschildert, nahezu das gesamte Repertoir an Technik, Kraft und Ausdauer abverlangen. Wer hier nicht aufpasst und unrhythmisch fährt, fliegt vom Trail, landet im Baum oder verschwendet seine Kraft mit unnötigen Antritten. In Meijel z.B. würde das dann auf 9km Länge mit über 250 Kurven verdammt viel Antreten bedeuten!

 

Und diese Ausdauer, gepaart mit sauberer Fahrweise, braucht es, um in der Rennserie Toma Cycles Cup bestehen zu können. Hier treten schwere „Kaliber“ aus den Niederlanden und Belgien an. Und immer mehr aus Deutschland kommende Fahrer schätzen die top organisierte Serie, die mit zahlreichen Jugendklassen, einem starken weiblichen Fahrerfeld und den beiden Männerklassen Elite und Masters CC oder MTB.

Obwohl das ganze einen familiären Charakter hat, Theo Gelissen z.B. mit seiner Kamera bei jedem Rennen an der Strecke steht und tolle Aufnahmen der Fahrer macht, um sie dann noch am selben Tag kostenlos auf seiner Facebook-Seite für alle zu kostenfrei veröffentlichen, trifft man doch ein fahrerisch sehr hohes Niveau an. Hier überrundet zu werden, ist keine Schande, denn die Top Fahrer sind mal eben Amateur-Weltmeister o.ä. Hinzu kommen noch niederländische Freundlichkeit und Gelassenheit, denn man wird vor dem Überholen tatsächlich von hinten kurz und höflich angesprochen. Versucht man aber an den Fahrern dran zu bleiben, merkt man von Gelassenheit wenig, da wird mit richtig Dampf gearbeitet.

 

Zum Auftakt stand also der Kurs in Baarlo, organisiert vom örtlichen MTB Club, auf dem Programm. Mit der Bahn von Worringen bis an die Grenze bei Venlo gereist und nach einer 10km langen Anfahrt zum Warmwerden, konnte ich mit meinem Kumpel Sebi die Strecke noch zwei Runden lang inspizieren. Und was soll ich sagen? Sie war ein Traum. Viele schnelle Kurven, genug Geraden zum Runterkommen, knackige Hügel ohne viel Anlaufmöglichkeiten, gefolgt von Abfahrten mit tiefen ausgewaschenen Erdwellen und einer Wiesenpassage mit zwei schnellen Dropdowns – alles war nach meinem Geschmack. Alles so, wie es das Training bereit gehalten hatte. Dazu noch traumhafter Grip durch den Regen am Vortag und ein über 80 Köpfe starkes Cyclocross-Fahrerfeld, aufgeteilt in die beiden Altersklassen.

 

Aber leider verlief der Saisonstart der Rennserie in Baarlo für mich nicht so, wie erwünscht. Von Anfang an konnte ich mich zwar bestens zurechtfinden und die schwierigen Passagen flüssig absolvieren, musste dann aber aufgrund eines Defektes nach Sturz das Rennen frühzeitig 2 Runden vor Schluß abbrechen. Mein Vorderrad hatte es in einer schnellen Schlammpassage zur Seite gezogen und ich prallte ungebremst in einen Holzpfosten, der mich dann einmal quer in die Luft abheben ließ. Das hatten sich wohl Schaltwerk und -auge gemerkt und verabschiedeten sich am nächsten Powerclimb in alle Richtungen. Und so durfte ich meine letzte Runde mit einer cyclocross-typischen Bewegung beenden – dem Radschultern.

 

Hoffentlich ist die Kiste schnell wieder einsatzbereit, denn über Herbst und Winter ist eins in der Provinz Limburg gewiß - das nächste Rennwochenende ist nur 7 Tage entfernt und mit meinen Crossern vom Peloton Stabilus Team bin ich dabei!

 

Mehr Info: www.limburgcross.nl
Fotos: Peloton Stabilus Team beim Training in „de Schaak“

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