Spoke Mag #31

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Ausgabe #31 – OUT NOW!

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DIE DUNKLE SEITE DES FAHRRAD-FAHRENS

Die Vorwärtsbewegung per Rad – individuell oder gesellschaftlich – steht im Mittelpunkt des diesjährigen Internationalen Festivals des Fahrrad-Films: Die körperlichen Leiden des Fahrers zeigt der Film „Three-Legged Horses“ von Felipe Bustos Sierra aus Edinburgh, Schottland – ein eindrucksvoller Spielfilm über Licht und Schatten des professionellen Rikschafahrens im urbanen Prekariat. Fahrer gegen Fahrgäste, gegen die Schwerkraft. Diebstahl spielt hier eine Rolle wie auch in weiteren Filmen aus städtischen Fahrradszenen, so aus New York im Spielfilm „lost bike girl“ von Bjoern Adelmeier oder im Beitrag „Fahrrad-Besitzlevels“ von Marion Pfaus aus Berlin. Sattel weg? Level 1.3.

“Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren” schreibt Albert Einstein seinem Sohn im Jahr 1930. Das diesjährige Programm des Festivals greift Einsteins Vergleich auf, entwickelt aber einen anderen Ausblick: in der Vorwärtsbewegung kann man durchaus ins Taumeln geraten. Kein Film des diesjährigen Internationalen Festivals des Fahrrad-Films zeigt dies deutlicher als der Beitrag „Velo Mysterium“ von Jörn Staeger. Philosophisches Kino, das schwindelig macht. Der Filmemacher ist dem Kenner des ICFF durch den Film „Rad“ bekannt, mit dem er 2009 die Goldene Kurbel und den Publikumspreis gewann.

Ein düster-zerrissenes Bild vom Leben in einer von Fristen und Terminen getriebenen Gesellschaft zeichnen Zina Papadopoulou und Petros Papadopoulos. Zwei klare Regeln gelten in „Eight-Minute Deadline“: Alle Wege auf dem Einrad, acht Minuten bis zum Ziel – oder Tod. Der preisgekrönte griechische Film bildet den Auftakt der Reihe „Der fantastische Fahrradfilm reloaded“, mit weiteren Filmen aus Argentinien, Österreich und Deutschland.

Still aus „Eight-Minute Deadline“. Foto: Zina Papadopoulou und Petros Papadopoulos

Nach all der Irritation, die die Fahrrad-Kunstfilme beim Betrachter auslösen, holen ihn die gesellschaftspolitischen Fahrrad-Filme wieder auf den Erdboden zurück. Mit Witz und Prominenz: Täve Schur ist auf der Leinwand zu sehen, ebenso wie (endlich wieder nach 2010) Horst Tomayer. Des Abgehobenen unverdächtig berichten beide von ihrer Sicht auf Welt und Fahrrad, zu sehen im Beitrag „Cycling to Liberation“ von Thomas Willke.

Was gibt es darüber hinaus zu sehen? Lee Henderson singt von Liebe und Radfahren und wird Gedächtnis bleiben, ebenso wie die Reise nach Muckle Flugga (Vorwärtsbewegung mit Faltrad und Gummiboot) und die Coolness des Kalmit-Klapprad-Clubs (nur Faltrad).

Das Filmprogramm wird umrahmt von der Fotoinstallation „Le bidon gris“ von Friedbert Rogge. Es gibt Fahrradeigenbauten aus purem Bambus anzuschauen, zu hören ist DJ Mono an seinen Philips-Mono-Plattenspielern, und die Velokitchen Dortmund kocht. Für Glamour sorgt die Verleihung von Filmpreisen mit der Goldenen Kurbel im Mittelpunkt. Laudator ist Aleksander Kopia, Fahrradkünstler aus Częstochowa. Beste Zutaten für einen schönen Abend der Fahrrad-Kultur in den Flottmann-Halle, Herne.

Das Festival läuft am 26. Oktober um 20:00 Uhr in den Flottmann-Hallen, Flottmannstraße 94 – Herne. Der Eintritt beträgt fünf Euro. Gegen 23:00 Uhr wird der beste Film mit dem Filmpreis „Goldene Kurbel“ prämiert, der (selbsternannte) Oscar und weltweit erste Filmpreis im Genre Fahrradfilm.

Am Vorabend des Festivals, am 25. Oktober, wird der Spielfilm „Das Mädchen Wadjda“ im Rahmen eines Sonderprogramms des ICFF mit anschließender Podiums- und Publikumsdiskussion gezeigt. Einlass und Eintritt auch hier 20:00 Uhr – fünf Euro.

Das Bochumer „Team Hollandse Frietjes – non-professional cycling“ organisiert das Festival gemeinsam mit dem Herner Roomservice – Forum für Jugendkultur.

Alle Informationen zum Festival gibt es im Internet:

http://www.cyclingfilms.de

 

Allgemeine Informationen zum Festival, seine Geschichte und Preisträger/innen unter

http://en.wikipedia.org/wiki/International_Cycling_Film_Festival

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