SPOKE MAG #30

SPOKE MAG #30

SPOKE und die Frühlingsgefühle: hier sind die Themen der neuen Ausgabe

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#SPOKEXMASRIDE: GEH MIT UNS AUF TOUR!

Wir gehen wieder auf Tour! In guter Tradition wird die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester zum Radfahren genutzt! Und wie bereits im letzten Jahr würde es uns sehr freuen, wenn ihr euch wieder zahlreich anschließt...

Im letzten Jahr hat es so einen Spaß gemacht, das wollen wir in diesem Jahr nicht verpassen: Zwischen Weihnachten und Silvester gehen wir wieder auf große Tour. Mit wem? Wissen wir noch nicht. Wohin? Schlagt was vor! Wie im letzten Jahr ist diese Tour sozusagen wieder „interaktiv“ – ihr könnt also Vorschläge machen! Alle, die mitmachen wollen, sind herzlich eingeladen, eine email an martin.donat@spokemag.de zu schreiben und ihren Vorschlag einzureichen. Du kennst eine tolle Route? Du willst einfach so ein Stück mitfahren? Du hast eine gemütliche Gästecouch, die mal wieder benutzt werden muss? Du willst deinen Bikeshop zwischen den Feiertagen unbedingt für eine SPOKE Happy Hour öffnen? Du kochst die besten Pasta der Stadt? Du hast eine richtig fette Idee für eine Silvesterparty parat? Dann schreib uns eine email! Kurz vor Tourstart „basteln“ wir aus allen Vorschlägen eine machbare Route quer durch Deutschland (oder weiter?) zusammen und geben rechtzeitig bei Facebook und in unserem Strava Club (www.strava.com/clubs/spokemag) bekannt, wo es langgeht. 

 

Und für alle, die wissen wollen, wie das enden kann, hier die Story aus dem letzten Jahr:

 

Keep calm and ride – #festive500

Alle Jahre wieder. Alle machen mit. Na ja, fast alle. 500 Kilometer in sieben Tagen. Gegen den Weihnachtsspeck, gegen die Langeweile, gegen den Klimawandel oder einfach nur so. Ist ja auch egal. Wir fahren Rad und das ist gut so! SPOKE-Chefredakteur Martin Donat machte sich ebenfalls auf, um mit dem Fahrrad einmal quer durch die Republik zu Radeln. Köln, Mainz, Frankfurt, Dresden,  Berlin. Mal allein, mal in Gesellschaft. Wer ein Stück mitradeln oder ihm Unterschlupf für die Nacht bieten wollte, war eingeladen, an dieser speziellen #festive500-Tour teilzuhaben. 

 

Alle Jahre wieder. #festive500 bestimmt die Social Networks. Strava, das Facebook für Radfahrer, und Bekleidungshersteller Rapha haben mit dieser besonderen Challenge einen Kult geschaffen, der jedes Jahr zwischen Weihnachten und Silvester neue Rekorde schreibt. 61 811 Radfahrer nahmen in diesem Jahr teil und fuhren sage und schreibe 16 431 874 Kilometer mit dem Fahrrad! 794 davon gehen auf meine Kappe. 

Was ist nur so besonders an dieser Herausforderung? Man kann schließlich 365 Tage im Jahr Fahrrad fahren, warum soll ich mich denn bloß in der kältesten Jahreszeit zwischen gemütlichen Familienfeiern, Glühwein, Plätzchen und Fondue auf mein Rad schwingen und Kilometer fressen? Okay, alle tun es. Okay, ich würde vermutlich auch ohne Challenge jeden Tag auf dem Drahtesel sitzen. Okay, ich stelle mich der Herausforderung. Aber ich will es nicht alleine tun. Ich möchte herausfinden, wer noch mitmacht. Und warum. Ich will wenigstens ein paar der über 60 000 Teilnehmer persönlich treffen. Ein paar gemeinsame Kilometer abspulen. Ich rufe per Facebook dazu auf, sich meiner Tour anzuschließen. Einige Radler melden sich. Es entsteht ein Plan. Wohin führt die Route, wo kann ich übernachten? Es geht von Köln nach Mainz, durch die Rhön rüber nach Thüringen, von dort nach Sachsen und als finale Etappe von Dresden nach Berlin. Knapp 1 000 Kilometer: #festive1000 lautet meine Challenge.

Morgendliche Idylle am Rhein-Radweg. Die erste Etappe am Rhein entlang ist landschaftlich ein absolutes Highlight!

Am zweiten Weihnachtstag geht es los. Morgens um 8.30 Uhr ist es noch verdächtig ruhig rund um den Kölner Bahnhof, von wo aus meine Tour startet. Heute stehen mehr als 200 Kilometer auf meinem Menü, den größten Teil davon werde ich parallel zum Rhein beackern auf einem Teil des „Rhein Radwegs“, der auf über 1 200 Kilometern von den Alpen bis nach Rotterdam führt. Mehrere gute Nachrichten stehen einer schlechten gegenüber: das Wetter ist fantastisch, das Rheintal mit seinen Hügeln und Weinbergen wunderschön und die Route hat nur wenige Höhenmeter – der fiese Gegenwind hingegen macht mir echt zu schaffen. Die erste größere Pause ist für Koblenz angedacht. Hier treffe ich Oli, der mich bis nach Mainz begleiten will und bei dem ich auch übernachten darf.

Okay, ich würde vermutlich auch ohne Challenge jeden Tag auf dem Drahtesel sitzen. Okay, ich stelle mich der Herausforderung. Aber ich will es nicht alleine tun. Ich möchte herausfinden, wer noch mitmacht. Und warum. Ich will wenigstens ein paar der über 60 000 Teilnehmer persönlich treffen.

Oli ist ein echter Fahrradfreak. Er begann mit dem Mountainbiking und widmete sich der eher heftigen Seite dieses Sports, dem Downhill und Dirtjumping. Mit der Zeit schnupperte er in die anderen Disziplinen hinein und entwickelte seine ganz eigene Radfahrphilosophie, inklusive seinen ganz eigenen Rädern. Unter dem Label „511 Customs“ baut er eigene Bike-Projekte mit sehr interessanten Ansätzen. So auch das Rad, mit dem er mich begleitet: Seinen „Tflsberg“-Crosser von 8bar hat er mit einer „Automatix“-Getriebenabe von SRAM mit zwei Gängen aufgebaut, die sich automatisch der Geschwindigkeit anpassen. Außerdem besitzt sein Rad einen Nabendynamo und permanente Beleuchtung. Nach dem Motto „alles oder nichts“ hat sich Oli, der zurzeit nicht wirklich fit sei, für die #festive500-Challenge angemeldet. Wird schon irgendwie gehen. Gemeinsam mit mir werden die Zähne zusammengebissen.

Wie mein Marin ist auch sein Rad mit recht dicken Reifen bestückt, sodass wir gut harmonieren. Ab Kilometer 150 wird es langsam ätzend. Es ist dunkel und kalt und der Radweg verläuft seit rund fünf Kilometern komplett offroad. Wir rutschen durch die Schlammspuren, fluchen leise vor uns hin und wünschen uns, endlich da zu sein. 209 Kilometer, die letzten 20 ziehen sich wie Kaugummi. Dennoch ist es irgendwann geschafft. Endlich sind wir in Olis warmer Wohnung angekommen. Noch ein paar Nudeln essen und schon sind wir beide bereit fürs Bett. Für den nächsten Morgen, 9 Uhr, hat sich bereits Paul angemeldet, mich zu begleiten. Ich hoffe, diese Betonklötze fühlen sich morgen wieder wie Beine an…

Morgens früh um 9:  „Übergabe“. Gestern wurde Martin von Oli (re.) begleitet, heute geht’s mit Paul (li.) weiter.

 

 

Als der Wecker klingelt, fühle ich mich noch, als hätte mich ein LKW überfahren. Hoffentlich ist Paul extrem unfit und sehr langsam. Auf alle Fälle ist er pünktlich. Wie verabredet erscheint er Punkt 9 Uhr vor Olis Wohnungstür. Kurze Übergabe, ein herzliches Danke an Oli und schon sitze ich wieder auf dem Rad. „Deine Route ist etwas komisch, ich zeige dir mal einen besseren Weg nach Frankfurt, okay?“ – Na klar, sehr gerne, das war ja Teil der Idee: Locals schließen sich meiner Tour an und zeigen mir die Gegend. Pauls Route ist mit Sicherheit besser als meine, die ich mir zu Hause am Rechner zurechtgelegt hatte. Langweilig wird es eh nicht, denn Paul ist sehr unterhaltsam. Er stammt eigentlich aus Dortmund, ist vor elf Jahren nach Mainz gezogen und fährt seitdem auch erst Rennrad. „Ich war ein typischer Motorradfahrer, hatte damals 40 Kilo mehr drauf.“ Das Radfahren hat sein Leben sichtbar verändert. Seine Rennradkumpels sind nicht mitgekommen. Die jagen mit ihren Carbonrennern lieber KOMs. Paul dachte sich aber: „Das ist doch irgendwie eine nette Idee, ich habe Lust drauf, dem Martin Gesellschaft zu leisten. Mit meinen Kumpels kann ich jeden Tag fahren.“ Diese Art von Offenheit zeigt sich auch an Pauls Rad: Der Rahmen ist ein Cyclocrosser, aufgebaut mit Rennradparts und für den Winter mit massiven Schutzblechen aufgerüstet. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Zum Abschied machen wir noch ein Selfie im berühmten Bankenviertel von Frankfurt mit riesigem Euro-Zeichen im Hintergrund. Dies war der entspannte Teil des Tages.

Hallo Frankfurt: Die Skyline von Frankfurt vom Rad aus betrachtet ist wesentlich imposanter als aus der Ferne von der Autobahn...

 

Kurz hinter Frankfurt wird es hügelig. Bei Bad Vilbel bin ich mit Martin verabredet. Zum Glück sind unsere Telefone so smart, sonst würden wir uns vermutlich immer noch suchen. Dank moderner Technik finden wir aber doch zusammen und knöpfen uns die noch ausstehenden rund 100 Kilometer des Tages vor. Minimalziel: Fulda. Wenn alles optimal läuft, will ich bis nach Tann in der Rhön fahren. Als Martin auf die Bildfläche rollt, bin ich etwas in Sorge. Ein fitter Typ mit Hightech-Carbonrenner und Strava-Outfit, passend zur Tour. Er scheint für eine schnelle Etappe bereit zu sein. Als wir losrollen und Martin mir seinen Radfahr-Background erläutert, kann ich es kaum glauben: Martin fährt seit gerade mal einem halben Jahr Rad! Davor war seine einzige sportliche Betätigung Freeletics. Eines Tages kaufte er sich ein günstiges Rennrad zum Ausprobieren und seitdem ist es um ihn geschehen. Wenig später wurde das edle Canyon bestellt und die Kilometer häuften sich an. In kürzester Zeit baute er eine beachtliche Fitness auf und gewann Gefallen daran, sich per Strava mit anderen Rennradlern in der Umgebung zu messen. „Strava motiviert mich ungemein. Dank Strava sehe ich, dass ich mit anderen mithalten kann und ich denke inzwischen auch darüber nach, ein paar Rennen mitzufahren“, erklärt er mir und lässt durchblicken, dass es ohne die Plattform vielleicht gar nicht so weit gekommen wäre. 

Futterstopp: Martin und Martin genießen und füllen die leeren Speicher wieder auf

 

Ich leide still vor mich hin, die gestrigen Kilometer stecken mir noch in den Knochen und ich habe das Gegenteil von dem, was man „gute Beine“ nennt. Vor allem habe ich kaum Hunger, obwohl ich Kalorien wie ein Hochofen verbrenne. Irgendetwas ist komisch. Egal, weitertreten. Neue Hoffnung keimt auf, als ich merke, dass auch Rennradneuling Martin langsam etwas erschöpft wirkt – gemeinsames Leid ist geteiltes Leid. Alles im grünen Bereich. Wieder wird es dunkel und sehr kalt. Wir geben alles und treten so schnell es geht in Richtung Fulda. Der letzte Berg ist allerdings ein echtes Arschloch. In Fulda beschließe ich: bis hierher und keinen Meter weiter! 350 Kilometer in zwei Tagen, damit scheint meine Leistungsfähigkeit ausgereizt. Danke Martin fürs Mitleiden, für die Unterhaltung und dafür, dass du mir ein Stückchen meinen Rucksack abgenommen hast.

Als wir losrollen und Martin mir seinen Radfahr-Background erläutert, kann ich es kaum glauben: Martin fährt seit gerade mal einem halben Jahr Rad! 

In Fulda nehme ich mir das billigste Hotelzimmer, das ich bekommen kann. Das Zimmer ist so klein, dass gerade so das Bett hineinpasst, und die Dusche wird nicht wirklich warm. Wohlfühlatmosphäre sieht anderes aus. Alle anderen sind entspannt in den Weihnachtsferien. Ich fahre halt #festive500. Die Nacht ist unruhig, ich schlafe kaum, habe Bauchkrämpfe und schwitze. Habe ich mich übernommen? Am nächsten Tag beschließe ich, allein und ganz in Ruhe die nächsten Kilometer anzugehen und ändere meine Route so ab, dass sie nicht ganz so hügelig ist, wie die ursprünglich geplante mitten durch den Thüringer Wald. Ich fahre ein Stück Zug und starte in Eisenach. Tagesziel: Rudolstadt. 

Gravel-Travel: Das „Four Corners Elite“ von Marin ist wie geschaffen für lange Radtouren, bei denen es auch mal etwas rütteln darf.

Ich folge einer gekennzeichneten Radroute Richtung Gotha. Der Weg ist wirklich schön, allerdings richtet er sich eher an entspannte Radtouristen als an sportlich orientierte Rennradler. Die Route ist kurvig, führt durch jeden kleinen Ortskern, nimmt auch mal einen Feldweg mit und geht ständig auf und ab. Der Weg ist wirklich schön, aber sehr langsam. Da ich mich ja entspannen und Kräfte sammeln will, genieße ich es und erreiche gegen Mittag mit ganz gutem Gefühl Gotha. Kurzer Stopp beim Bäcker und weiter geht’s. Vorbei an den „Drei Gleichen“, jene drei fast gleiche Burgen, welche die umliegenden Hügel krönen. Apropos Hügel: Die haben es ganz schön in sich und das trotz Alternativroute. Vielleicht sollte man solche Trips doch etwas genauer planen? Heute werden es nur 100 Kilometer. Es wird gerade erst dunkel, als ich durchgefroren Rudolstadt erreiche, wo mir Dave Asyl gewährt. Schon wieder so ein Radfreak. In seiner Werkstatt stehen BMX-Racebikes neben Enduro- und Downhillmountainbikes und daneben sein Rennrad. Dave ist über zehn Jahre lang Downhillrennen gefahren und hält sich immer noch auf zwei Rädern fit, wenn er sich nicht gerade um seine Frau und seine Tochter kümmert. Ich platze mitten ins Familienleben hinein und werde herzlich aufgenommen. Eine warme Badewanne und ein leckeres Abendessen später geht es mir schon besser. Zum Glück ist die ganze Familie müde – auch ich falle förmlich ins Bett. Leider mache ich wieder kaum ein Auge zu…

Mitten im Dezember bei so einem Wetter Rad zu fahren, da gehört auch eine Portion Glück dazu! Dave und Martin genießen jedenfalls den ruhigen Radweg mitten durch Thüringen

 

Dave begleitet mich auf seinem Renner zum Start der vierten Etappe. Das Tempo passt und so rollen wir recht entspannt in Richtung Osten. Mein Garmin zeigt eine runde 500: Die #festive500 sind erledigt, ab jetzt ist alles Zugabe. Ab Neustadt an der Orla bin ich auf mich allein gestellt. Es geht auf und ab und ich komme nicht wirklich voran. Wieder ist es eine schöne Route, die landschaftlich beeindruckt und größtenteils über ruhige Landstraßen führt – aber wieder komme ich kaum voran. Die geplanten 200 Kilometer waren mehr als unrealistisch. Ich ärgere mich nicht darüber. Es ist, wie es ist. Ich versuche, die Fahrt zu genießen, sauge die vielen Eindrücke auf und fahre einfach, so weit ich kann. Highlight ist Wünschendorf, wo ich eine alte, lange Holzbrücke passiere und wo mir eine Horde zwielichtiger Gestalten über den Weg läuft, die mich – glatt rasiert und auf Hals und Kopf mit merkwürdigen Symbolen tätowiert – allein durch ihre Anwesenheit dazu anheizt, schneller in die Pedale zu treten. Ich halte durch bis Crimmitschau, wo zwei Stücke Kuchen retten müssen, was zu retten ist, und wo ich vom Rad auf die Bahn umsteige. Morgen ist die finale Etappe angesagt. Dresden – Berlin an einem Tag. Und bereits mehr als fünf Radler haben sich zum Start in Dresden angemeldet. Es wäre wirklich schön, wenn ich mit ihnen in Berlin ankomme und nicht unterwegs vom Rad falle. Ich gebe mich ein weiteres Mal mit nur 100 Kilometern zufrieden und hoffe, dass ich morgen mein angeknackstes Strava-Ego wieder aufpolieren kann.

In Dresden ist es bitterkalt. Als ich endlich Toms Wohnung betrete, rieche ich schon das leckere, selbstgemachte Pesto, die Nudeln sind gerade gar. Die Gastfreundschaft, die mir in den vergangenen Tagen entgegengebracht wurde, ist beeindruckend. Ich bekam eine Couch, eine Matratze oder ein Bett, eine warme Dusche und ein leckeres Abendessen. Manchmal noch ein paar Müsliriegel und ein paar Tropfen Kettenöl. Mehr braucht man nicht, um zufrieden zu sein. Die gemeinsame Leidenschaft, das Radfahren, verbindet, egal, wie unterschiedlich man sonst auch ist. Die Jungs in Dresden sind echt cool. Ich kenne die Jungs von der U-Lock Justice Crew von diversen Telefonaten. Sie hatten im vergangenen Sommer ein cooles Criterium Race in Dresden veranstaltet und im letzten SPOKE Magazine darüber berichtet. Nun lerne ich sie live kennen. Tom hat sich die Bänder im Fuß verletzt und kann morgen nicht mitkommen. Fabian und Felix hingegen sind schon heiß und freuen sich auf die 200 Kilometer in Richtung Berlin. Morgenfrüh werden wir noch ein paar andere Jungs einsammeln und dann gemeinsam die Tagestour angehen. Zum ersten Mal auf der Tour habe ich endlich wieder Appetit und verschlinge gleich zwei Teller voller Nudeln. Und ich schlafe durch. Vielleicht war es das eine Bier zum Abendessen? Man lernt nie aus.

Angenehm flach und angenehm ruhig: Martin und die Jungs der U-Lock Justice Crew können es auf der Fahrt von Dresden nach Berlin schön laufen lassen...

 

Um kurz vor 8 Uhr ist es noch dunkel und verdammt kalt. Fabian steht überpünktlich und motiviert am vereinbarten Treffpunkt. Gordons Handyakku war leer und wir müssen ihn aus der Wohnung klingeln. Paul wartet seit zwanzig Minuten am Treffpunkt Alaunplatz. Felix und Philipp sind mit dabei und Uwe lässt es sich trotz Erkältung nicht nehmen, uns eine gute Fahrt zu wünschen. Eine bunte Truppe macht sich auf den Weg. Gordon auf einem Cyclocrosser inklusive Gepäckträger und großer Seitentasche, Philipp und Paul fixed, der Rest auf Rennern. Das Tempo ist nicht unsportlich und aufgrund meiner angeschlagenen Gesamtverfassung der letzten Tage bin ich skeptisch, ob ich mithalten kann. Nach zwei Kilometern hat Paul einen Platten, der Reifen ist komplett hinüber. So ein Mist! Ich denke: Paul ist raus. Doch Pauls Plan ist: Wir fahren weiter, er fährt nach Hause, tauscht das Rad und startet eine Aufholjagd. Ambitionierter Plan! Doch Paul ist fit. Fährt Rennen, fixed und mit dem Mountainbike. Mal sehen, wie lange er braucht, bis er uns eingeholt hat. Gordon ist auch so eine Rakete: Er legt auf seinem schwer bepackten Cyclocrosser ein Tempo vor, das dem Rest zu halten schwerfällt. Immer wieder folgt der kollektive Beschluss, langsamer zu fahren, schließlich haben wir 200 Kilometer vor uns.

Wir rauschen lautlos gen Norden. Hier gibt es eine Menge nichts. Einsame Landstraflen und eine Landschaft, die sich mit ihren Seen und kleinen Wäldchen im winterlichen Sonnenaufgang von ihrer schönsten Seite zeigt.

Immer wieder zieht – ganz unauffällig – das Tempo an. Bis wieder eine 3 vorn auf meinem Tacho steht. Rennradfahren in der Gruppe hat etwas Magisches. Man pusht sich gegenseitig zu Höchstleistungen und mobilisiert Energiereserven, die man längst für versiegt hielt. Wir rauschen lautlos gen Norden. Hier gibt es eine Menge nichts: einsame Landstraßen und eine Landschaft, die sich mit ihren Seen und kleinen Wäldchen im winterlichen Sonnenaufgang von ihrer schönsten Seite zeigt. Servicestopp in Finsterwalde. Felix’ Pedalplatte ist defekt, er hat keinen Halt mehr in seinem Klickpedal. Ein Zustand, der sich nicht ändern wird, denn alle Radläden auf dem Weg haben geschlossen oder führen keine Pedalplatten. Immerhin erfreut sich der Rest an einer ausgiebigen Mittagspause. Weiter geht’s, wir wollen um 17 Uhr Berlin erreichen. Bei dem Tempo, das die Jungs vorlegen, bin ich optimistisch, dass es klappt. Vom ersten Vorort von Berlin bis zum Zentrum vergeht eine gefühlte Ewigkeit. Mein Kopf ist schon drei Mal in Berlin angekommen. In Wirklichkeit ist diese Stadt so riesig, dass es noch gut zwei Stunden dauert, bis wir endlich Neukölln erreichen. Alle sind erschöpft, aber sehr zufrieden. Die finale Etappe war eine rundum gelungene Sache! Auch der U-Lock Justice Crew gebührt mein Dank: für Unterkunft, Gesellschaft und fürs Tempomachen und Ziehen.

Das haben sie sich verdient! Endlich in Berlin angekommen, sorgt heißer Tee für die dringend notwendige Aufwärmung

 

Eine Mission habe ich noch: mein Zielfoto am Brandenburger Tor. Also kämpfe ich mich noch einmal durch die Kälte der Nacht. Verdammt, habe ich schon erwähnt, wie groß Berlin ist? Endlich am Tor angekommen, muss ich feststellen, dass aus meinem Foto nichts wird: Alles ist abgesperrt. Ach ja, da war ja noch dieses Silvester morgen. Also steuere ich mein definitiv letztes Ziel dieser Reise an. Jonas stellt mir Bett und Dusche, beides wird nach einem schnellen Abendessen sofort und ausgiebig genutzt.

Jonas ist natürlich auch Radfahrer. Allerdings noch nicht so lange. Vorher war das Rudern seine Leidenschaft, womit er es weit gebracht hat. Nun will er sich beim Mountainbiken neu erfinden. Doch an meinem letzten Vormittag in Berlin bleibt das Rad stehen. Jonas zeigt mir einen „Lost Space“ in seiner Nachbarschaft: ein altes, russisches Chemiewerk. Gespenstisch stehen die riesigen Hallen dort, vom Wind klappert und raschelt es hier und da. Dieser Platz ist ein beliebter Drehort für viele bekannte Filme, erfahre ich. Das Graffitty „Fick dich George Clooney“ deutet ebenfalls darauf hin, dass wir nicht die ersten sind, die von dieser Kulisse beeindruckt sind. Wir erkunden die Hallen, Gänge und Keller – ein sehr kurzweiliges Regenerationsprogramm, bevor ich dann gegen Nachmittag meinen Zug in Richtung Heimat nehme.

Gespenstisch und spannend: Berliner Geschichte zum Erleben. Schön, obwohl es mal gar nichts mit Fahrrädern zu tun hat!

 

#festive794, so lautet die Kurzformel für meine vergangenen fünf Tage. Darin verbergen sich viele tolle Menschen, viele geniale Landschaften, viele Kämpfe gegen den Schweinehund, ein paar kleine Eingeständnisse und viele Erkenntnisse. Am Ende waren es fünf tolle Tage auf dem Rad, die mir mal wieder gezeigt haben, dass man nicht viel zum Glücklichsein braucht. Ob ich mich mitten im Winter auch ohne #festive500 zu so einem Trip aufgerafft hätte? Ehrlich gesagt denke ich: eher nicht. Und vielleicht wären auch all meine Weggefährten zu Hause auf der warmen Couch geblieben. Und allein dafür ist es für mich Grund genug, diese Challenge zu lieben!

 

 

 

 

 

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